Digitaler Herbst in Deutschland: VPN wird Pflichtprogramm

Alle (4) Jahre wieder: Kaum nähert sich der nächste Wahltermin, häufen sich die Versprechen zum Breitbandausbau für alle Bürger, der danach dann ebenso regelmäßig wieder ins Stocken gerät und das Land gerade einmal den 22. Platz im internationalen Geschwindigkeits-Ranking beschert, weit abgeschlagen hinter Litauen (9. Platz) und erst recht Süd-Korea (Platz 1). Richtig interessiert scheinen die Verantwortlichen hingegen, wenn es um die Kontrolle der digitalen Datenströme der deutschen Bürger geht. In diesem Bereich produziert man/frau ungewohnt zügig und konsequent immer weiter gehende Überwachungsbefugnisse, als sei Nord- statt Süd-Korea das bessere Vorbild.

Platz 5 im Kontroll-Ranking: Regional blockierte Inhalte

Vergleichsweise harmlos, nichtsdestotrotz aber ärgerlich sind in einem globalisierten Internet die Regionalspielchen, mit denen die Produzenten von Inhalten versuchen, aus jeder einzelnen Untertitelspur Lizenzgelder zu quetschen. Dass man dem Verbraucher damit das Leben (und das Konsumieren) unnötig schwer macht, wird dabei als Kollateralschaden in Kauf genommen.

Ergebnis: Dieses Spiel ist in deinem Land nicht verfügbar. Oder nur zensiert verfügbar. Oder nur teurer erhältlich. Das Video dazu übrigens auch nicht, weil in einer 3 Sekunden langen Szene aus einem Toilettenradio im Hintergrund die Songfetzen eines urheberechtlich geschützten Liedes knattern.

Hilft ein VPN hierbei? Eindeutig ja. Ein VPN verhilft dir zu einer ausländischen IP-Adresse, mit der es möglich wird, regional gesperrte Videos zu schauen und Spiele günstiger einzukaufen sowie Letztere unzensiert zu spielen.

Platz 4 im Kontroll-Ranking: P2P-Trafficüberwachung und Abmahnindustrie

Nicht mehr ganz so harmlos, zumindest nicht für den Geldbeutel, ist die Trafficüberwachung beliebter Torrent- und anderer Filesharing-Plattformen durch kommerziell ausgerichtete ‚Strafverfolger‘, die Nutzer ausspähen, deren IP-Adressen speichern und von Providern die dazugehörenden Realnamen einfordern. Im Gegensatz zu den Gefahren, die der Privatsphäre durch Staat und Geheimdienste drohen, ist die heimische Abmahnindustrie zwar relativ vernachlässigbar, aber, wie die Vergangenheit gezeigt hat, leider ist sie auch nicht abgeneigt, angebliche Vergehen gerne einmal selbst zu konstruieren, um die Kassen aufzufüllen. Die Konsumenten legaler Pornoseiten wissen ein Lied davon zu singen.

Hilft ein VPN? Ja. Abmahnanwälte sind auf den Nachweis der IP-Adresse zum fraglichen Zeitpunkt angewiesen. Nutzt man einen VPN, ist es dessen IP-Adresse, die sichtbar wird, und nutzt man darüber hinaus einen VPN wie CyberGhost, der keine Nutzerprotokolle anlegt und speichert, ist dieser Nachweis nicht zu führen. Anfragen beim Betreiber laufen schlicht ins Leere, und dem jeweiligen Nutzer können keine Vergehen unterstellt werden.

Platz 3 im Kontroll-Ranking: Vorratsdatenspeicherung, Klappe, die Zweite

Seit Juli 2017 sind Telekommunikationsanbieter in Deutschland erneut in der Pflicht, Vorratsdaten zu speichern. Zwar gibt es erhebliche Zweifel, ob die neue Richtlinie den Europäischen Gerichtshof oder das Bundesverfassungsgericht überlebt, aber mindestens bis dahin verlangt der Staat, dass Provider ihn auch über Monate nachträglich darüber aufklären können, wer wann mit wem telefonierte, wo sich ein Handybesitzer zu welchem Zeitpunkt aufhielt und mit welcher IP-Adresse sich wer wann im Internet herumgetrieben hat. Ob es hilft bei der Aufklärung von Straftaten? Zweifelhaft, denn außer vollmundigen Behauptungen gibt es keine belastbaren Fakten – was aber scheinbar eher geringe Bedeutung besitzt, denn die Hauptsache scheint zu sein, eine Unterscheidung herzustellen: zwischen Guten (Politikern und Staatsgewalten), Bösen (Terroristen und anderen Kriminellen) und prinzipiell Verdächtigen (allen anderen).

Hilft ein VPN? Ja. Ein VPN verbirgt die IP-Adresse des Anwenders und tauscht sie durch eine unverfängliche aus, die mit vielen anderen Anwendern geteilt wird. Dies schafft doppelten Schutz für die Metadaten und stellt die durch VDS gefährdete Privatsphäre wieder her. Ferner sind VPN-Provider nicht von dem Gesetz zur Speicherung betroffen, Anbieter mit No-Logs-Politik sind überdies ohnehin ohne verwertbare Daten unterwegs.

Platz 2 im Kontroll-Ranking: Das neue BND-Gesetz

Großes Kino: Nur wenige von denen, die der Bundesregierung im Zuge der NSA- und BND-Enthüllungen vorwarfen, untätig, planlos und desinteressiert zu sein, rechneten damit, dass dies noch getoppt werden konnte. Es konnte. In einem bemerkenswert dreisten anti-demokratischen Akt legalisierte man mit einem neuen Gesetz im Nachhinein alles, was der BND bis dato illegal praktizierte. So dreist, dass sogar ein politisch eher unverdächtiger UN-Sonderberichterstatter den Gesetzentwurf als menschenrechtswidrig bezeichnete. Von Aufarbeitung war plötzlich keine Rede mehr. Stattdessen dürfen sich die Bundesbürger über den erlaubten Vollzugriff auf die komplette inländische Kommunikation freuen, seien es Inhalte oder Metadaten, und nebenbei auch über noch weniger Kontrolle der staatlichen Schnüffelbehörden.

Ein VPN kann helfen, den Schlapphüten das Leben schwer zu machen, denn der VPN-Tunnel verschlüsselt die ins Internet gesendeten Inhalte und der Austausch der IP-Adresse sorgt dafür, die Metadaten zu verschleiern. Hier gilt dann, wie überall sonst im Leben: Ist der Aufwand zu hoch, an bestimmte Daten zu kommen, überwiegen die Kosten den vermeintlichen Nutzen und der jeweilige Anwender kann sich ein Stück Freiheit zurück erkämpfen. Jedoch: Will der BND (wie die NSA) wirklich an jemanden Bestimmten ran, schafft er es auch. Und sei es durch Platz 1 dieser Hitliste, den Staatstrojaner.

Platz 1 im Kontroll-Ranking: Der Staatstrojaner

Neben der VDS und dem BND-Gesetz ist der Persilschein zum Einsatz von Staatstrojanern der dritte große Angriff des Staates auf die Privatsphäre der Bürger. Besonders pikant: Die Erlaubnis staatlicher Angriffe bei einer Vielzahl von Vergehen, auch kleineren, kam selbst ebenfalls als Trojaner daher. Versteckt in einem Gesetz über Fahrverbote als Nebenstrafe umging die Regierung die zu erwartenden Debatten und bekam den Lauschangriff-Overkill im Hauruck-Verfahren in trockene Tücher.

Hilft ein VPN? Nein. Staatstrojaner bauen auf unbekannte Sicherheitslücken, durch die der jeweilige Schadcode in einen Rechner eingeschleust wird. Ist ein Gerät erst einmal infiziert, können alle Aktivitäten aufgezeichnet und versendet werden. Da die Aufzeichnung direkt erfolgt, ist es unerheblich, ob der Traffic verschlüsselt wird oder nicht. Der Trojaner liest den Menschen praktisch von den Lippen ab, was sie sagen. Einzig der Einsatz von Schadsoftwarefiltern und Antivirenprogramme vermag ein wenig Schutz zu geben – dies aber auch nur dann, wenn die zugrunde liegende Sicherheitslücke und darauf aufbauende Schadsoftware bekannt sind.

Immerhin: Staatstrojaner sind zwar Werkzeuge zur potenziellen Massenüberwachung, da ihre größte Schlagkraft jedoch noch darin liegt, geheim eingesetzt zu werden, sind breit angelegte Aktionen gegen ganze Bevölkerungsschichten unwahrscheinlich. Der beste Schutz liegt hier darin, dass die Waffe zumindest zur Zeit nur gegen einzelne Individuen eingesetzt wird.

Wie arbeitet ein VPN?

Ein VPN leitet deinen Internetdatenverkehr zunächst in das hauseigene Netzwerk, von dort zu einem Server in einem ausgewählten  Land und weiter ins Internet zur eigentlichen Zielseite. Hierbei wird der komplette Datenverkehr verschlüsselt und die eigene IP-Adresse durch eine fremde ersetzt. Dadurch bleiben die Onlineaktivitäten eines Anwenders sowohl dem jeweiligen Provider als auch Datenspionen an Knotenpunkten verborgen.

Ist die Nutzung eines VPNs illegal?

In verschiedenen Ländern wie Saudi Arabien und Vereinigte Arabische Emirate ist die Nutzung eines VPNs verboten. In anderen Ländern, wie China und Russland, ist der Betrieb nur eingeschränkt möglich, wenn staatliche Filter eingesetzt werden.

In Deutschland ist die Nutzung eines VPNs legal – nicht jedoch Urheberrechtsvergehen oder andere Straftaten, die mit einem Dienst begangen werden.


Credits:
Foto: Bartosz Richter (https://stocksnap.io/author/lynx)
Lizenz: CCC (https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/)

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CyberGhost VPN - Uli
CyberGhost VPN - Uli

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